
{"id":131,"date":"1994-03-22T15:52:21","date_gmt":"1994-03-22T13:52:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stadthaushotel.com\/Aktuell\/?p=131"},"modified":"2018-04-16T19:57:32","modified_gmt":"2018-04-16T19:57:32","slug":"den-lebensunterhalt-selbst-verdienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadthaushotel.de\/aktuell\/den-lebensunterhalt-selbst-verdienen\/","title":{"rendered":"Den Lebensunterhalt selbst verdienen"},"content":{"rendered":"<p>In Hamburg f\u00fchren geistig Behinderte ein Hotel \/ Viele Gesch\u00e4ftsleute unter den G\u00e4sten.<br \/>\nFrankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. M\u00e4rz 1994.<!--more--><\/p>\n<h2>Presse-, Medienbericht: <acronym title=\"Frankfurter Allgemeine Zeitung\">FAZ<\/acronym><\/h2>\n<p>HAMBURG, 21. M\u00e4rz (<acronym title=\"Deutsche Presse Agentur\">dpa<\/acronym>). \u201eViele haben gesagt: Das ist Quatsch. Es gibt schon gesunden Menschen genug Probleme\u201c, erz\u00e4hlt Arezki Krim, Direktor und \u201eM\u00e4dchen f\u00fcr alles\u201c in Deutschlands wohl erstem von Behinderten gef\u00fchrten Hotel. Vor einem halben Jahr \u00f6ffnete in einem roten Backsteinneubau im Hamburger Stadtteil Altona seine Pforten. Sieben M\u00e4nner und Frauen im Alter von zwanzig bis 24 Jahren sorgen unter Krims Anleitung f\u00fcr den reibungslosen Hotelbetrieb. Die jungen Angestellten sind alle geistig behindert. <\/p>\n<p>Die Idee f\u00fcr diesungew\u00f6hnliche Projekt hatten die Eltern der M\u00e4nner und Frauen. Die im Verein \u201eWerkstatdthaus\u201c zusammengeschlossenen Eltern \u00fcberlegten, wie ihre Kinder nach der Schule im vertrauten Kreis eine sinnvolle Aufgabe erf\u00fcllen k\u00f6nnten. In dem Neubau durften sie das Hotel nach ihren Vorstellungen gestalten. Ein einmaliger Zuschuss von 300 000 Mark aus \u00f6ffentlichen Mitteln f\u00fcr die geschaffenen Behindertenarbeitspl\u00e4tze und die Bezahlung der individuellen Betreuung und Anleitung der Behinderten durch die Sozialbeh\u00f6rde erm\u00f6glichen das Projekt. <\/p>\n<p>Die sieben G\u00e4stezimmer mit insgesamt elf Betten sind behindertengerecht ausgestattet. Breite T\u00fcren, niedrig angelegte T\u00fcrklinken und Fenstergriffe sowie Halterungen an Duschen und Toiletten erm\u00f6glichen Rollstuhlfahrern, allt\u00e4gliche Handgriffe zu verrichten. \u201eTrotzdem sind 90 Prozent unserer G\u00e4ste nicht behindert\u201c, sagt Arezki Krim im R\u00fcckblick auf das vergangene halbe Jahr. Vor allem Gesch\u00e4ftsleute z\u00e4hlen zu seinen G\u00e4sten. <\/p>\n<h2>\n\u201eArbeiten als Hobby\u201c<\/h2>\n<p>Krim ist vom Fach. Der 47 Jahre alte geb\u00fcrtige Algerier lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Deutschland und hat in vielen gro\u00dfen Hotels gearbeitet: \u201eIch verdiene jetzt zwar weniger Geld als vorher, habe aber eine sinnvolle Aufgabe.\u201c Bevor er sich gemeinsam mit Kerstin, Claudia, Clemens, Mirko, Jens, Gunther und Dirk um die Hotelg\u00e4ste k\u00fcmmerte, hatte er noch nie mit Behinderten gearbeitet. \u201eEs war auch eine Herausforderung f\u00fcr mich\u201c, beschreibt er seine Motivation f\u00fcr das Experiment. Inzwischen hat Krim vielvon seinen Mitarbeitern gelernt: zum Beispiel, dass geduldiges Zeigen auf fruchtbaren Boden st\u00f6\u00dft als harte Kritik.<\/p>\n<p>Ob am Fr\u00fchst\u00fccksbuffet, in der K\u00fcche oder bei der Reinigung der Zimmer: Mit Beigeisterung erledigen die jungen Hotelmitarbeiter ihre Aufgaben. \u201eArbeiten\u201c, antwortet Kerstin auf die Frage nach ihrer Lieblingsbesch\u00e4ftigung. Die 22 Jahre alte Frau wohnt mit ihren Freunden und Kollegen in der betreuten Wohngruppe im ersten und zweiten Stockwerk des Hotelgeb\u00e4udes. Dort befindet sich auch die Hotel-W\u00e4scherei. Mirko bedient die Mangelmaschine, dann muss er ins Erdgeschoss zum Dienst. Vier Stunden arbeitet er. In seiner Freizeit spielt er Theater, Fl\u00f6te und Klavier. Sein Traum: einmal als Schauspieler bei den Segeberger Festspielen dabei zu sein. \u201eFurchtbar schwierig\u201c fand der Zwanzigj\u00e4hrige zun\u00e4chst, nicht mehr bei seinen Eltern zu leben. Das Zusammenleben mit seinen Freunden erleichterte ihm diesen Schritt: \u201eWir helfen und tr\u00f6sten uns gegenseitig.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMan sp\u00fcrt, wie gut ihnen tut, eine echte Aufgabe zu haben\u201c, sagt Ursula Felsmann, eine der sechs Betreuerinnen der Wohngruppe. \u201eDie jungen Leute \u00fcbernehmen ohne Z\u00f6gern alle Arbeiten\u201c, sagt Arezki Krim. \u201eSchlie\u00dflich wollen sie keine Almosen, sondern sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Hamburg f\u00fchren geistig Behinderte ein Hotel \/ Viele Gesch\u00e4ftsleute unter den G\u00e4sten. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. 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